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Ein liebevolles Zuhause für ihre ewige Seele

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Erinnerungsfragmente unter der Berliner Mauer: Ein deutsch-chinesisches „Zwei-Stadt-Joss-Papier“ eines älteren Mannes

von 周亦峰 03 Dec 2025
Im späten Herbst wirbelten im Berliner Mauerpark die Blätter im Wind. Hans Wang hockte vor einer verblichenen Backsteinstele und wischte mit einem toten Ast vorsichtig den Staub ab. Eine verschwommene ostdeutsche Hausnummer war in den Rand der Stele eingraviert – etwas, wonach er drei Jahre lang in den vergilbten Akten des Bundesarchivs gesucht hatte. Dies war einst das Zuhause seines Vaters, Wang Tieshan, in Ostberlin, und der Ausgangspunkt, an dem seine Eltern an jenem Morgen des Jahres 1949 für immer getrennt wurden.
Der 74-jährige Hans hatte zwei Namen. Den Namen „Hans“ in seinem Pass hatte ihm seine Mutter gegeben, nachdem sie ihn nach dem Krieg nach Westdeutschland gebracht hatte. Sein Vater nannte ihn in seinen Briefen stets „Jianguo“ (was so viel wie „Aufbauer der Nation“ bedeutet). 1949 blieb sein Vater, ein Eisenbahningenieur, mit seiner Arbeitsgruppe in Ostdeutschland. Seine Mutter, die den einjährigen Hans im Arm hielt, nahm unter Tränen an einem Kontrollpunkt der Alliierten einen halben Mondkuchen von seinem Vater entgegen. Von da an wurde die noch im Entstehen begriffene Berliner Mauer zu einer unüberwindlichen Kluft zwischen der Familie. „Der letzte Brief meines Vaters stammt aus dem Jahr 1961. Er schrieb darin, dass er mir neu gestrickte Baumwollschuhe schicken wollte. Doch kurz darauf wurde die Mauer vollständig abgeriegelt.“ Hans holte eine eiserne Schachtel aus seiner Segeltuchtasche. Darin befanden sich ordentlich gestapelte Schwarz-Weiß-Fotos seiner Eltern. Das junge Paar auf dem Foto stand vor dem Berliner Dom, ihr Lächeln noch frei von der Schwere, die sie später treffen sollte.
Im Spätherbst 2023 stand Hans endlich in der alten Gegend Ostberlins. Das alte Haus war längst zu einem Café umgebaut worden, nur der steinerne Pfeiler an der Ecke trug noch die Schnitzereien aus jener Zeit. Er breitete ein blaues Tuch aus und legte drei Dinge darauf: die Form für einen halben Mondkuchen, die seine Mutter bis zu ihrem Tod gehütet hatte, das Abzeichen eines Eisenbahnarbeiters, das sein Vater hinterlassen hatte, und einen Stapel selbst entworfener Opfergaben. Auf der Vorderseite prangte das berühmte Graffiti „Brüderkuss“ von der Berliner Mauer, in dessen Pinselstrichen sich winzige Zahnradmuster versteckten – Symbole der Dampflokomotiven, die sein Vater repariert hatte. Auf der Rückseite stand das ausdrucksstarke chinesische Schriftzeichen „Tuanyuan“ (was „Wiedervereinigung“ bedeutet), das Wort, das seine Mutter am häufigsten geschrieben hatte, als sie sich in ihren späteren Jahren selbst Kalligrafie beibrachte.
Die Flamme des Feuerzeugs zitterte im Herbstwind, und das leise Knistern des brennenden Opferpapiers vermischte sich mit dem Rascheln der Blätter und hob sich deutlich von der Stille der Nachbarschaft ab. „Papa, Mama, ich habe die Adresse gefunden. Ihr müsst das diesmal bekommen“, sagte Hans mit leicht chinesischem Akzent. Er zog zwei vergilbte Briefe aus der Tasche – die letzten Worte seiner Eltern. Sein Vater hatte geschrieben: „Ich möchte die Mondkuchen, die deine Mutter backt, noch einmal essen“, und seine Mutter: „Ich frage mich, ob Jianguos Vater friert.“ Im Feuerschein meinte er seine jungen Eltern durch den Schatten der Mauer gehen zu sehen: sein Vater in Baumwollschuhen, seine Mutter mit frisch gebackenen Mondkuchen.
„Mein Herr, gedenken Sie Ihrer Lieben?“, fragte eine ältere Dame, die mit ihrem Stock vorbeiging und stehen blieb. Ihr Mann war Maurer gewesen und hatte die Mauer gebaut. Hans reichte ihr ein unversehrtes Stück Opferpapier und zeigte auf die Graffiti „Bruderkuss“: „Das ist ein Gefühl, das die Menschen damals auf beiden Seiten der Mauer kannten, so wie wir Chinesen sagen: ‚Blut ist dicker als Wasser.‘“ Dann drehte er das Papier um und zeigte das Schriftzeichen „Tuanyuan“: „Meine Eltern lebten ihr ganzes Leben lang auf gegenüberliegenden Seiten der Mauer und haben sich nie wiedergesehen. Dieses Geld ist eine Art ‚Grenzüberweisung‘ für sie, damit sie sich im Himmel wiedersehen können.“ Die Augen der alten Dame füllten sich mit Tränen, als sie ein altes Foto aus ihrer Tasche holte: „Das sind mein Mann und sein Bruder – damals einer im Osten, einer im Westen.“
Diese Begegnung inspirierte Hans zur Gestaltung des „Gedenk-Rührpapiers zur Berliner Mauer“. In Zusammenarbeit mit der Gedenkstätte Berliner Mauer reproduzierte er historische Fotos aus den Archiven auf dem Trägerpapier des Rührpapiers – Szenen des Chaos beim Mauerbau 1961, Feierlichkeiten zum Mauerfall 1989 und Gruppenfotos getrennter Familien wie seiner eigenen. Jeder Stapel enthielt eine zweisprachige Karte (Chinesisch-Deutsch) mit der Aufschrift „Keine Mauer kann der Sehnsucht widerstehen“.
Im Spätherbst kehrte Hans an den alten Ort zurück, begleitet von einigen Menschen, die Gedenkpapier in den Händen hielten – ein polnisches Mädchen, das ihrem Großvater gedachte, der auf gegenüberliegenden Seiten der Mauer gefallen war, eine chinesische Studentin, die an ihren Großvater erinnerte, der beim Bau der Infrastruktur innerhalb der Mauern geholfen hatte. Hans entzündete einen neuen Stapel Papier. Plötzlich drehte der Wind, und die Asche trieb entlang der Umrisse der Mauerruinen wie eine unsichtbare goldene Brücke. „Seht ihr“, sagte er zu den jungen Leuten neben ihm, „Mauern fallen, doch Erinnerungen bleiben; Menschen trennen sich, doch die Sehnsucht kann sie wieder vereinen.“
Die untergehende Sonne warf Hans' Schatten lang, sodass er sich mit dem Schatten der Mauerruinen überschnitt. Er legte die Briefe seiner Eltern und die Asche des Opferpapiers zusammen in die eiserne Kiste, in deren Deckel neue Inschriften eingraviert waren: „Wang Tieshan und Li Xiulan, 1949 getrennt, 2024 wiedervereint“. In der Ferne läuteten die Glocken des Berliner Doms, und Hans wusste, dass dieses halbe Jahrhundert des Wartens in der wirbelnden Asche und den herabgefallenen Blättern endlich seinen wärmsten Abschluss gefunden hatte.

Interaktives Thema : Kennen Sie eine Geschichte über Verwandtschaft, die historische Gräben überbrückt hat – Trennung und Wiedervereinigung inmitten von Krieg, Migration oder Epochenwechsel? Teilen Sie sie unten mit.

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